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Gerettete Ostmoderne

Bahnhofs-Empfangsgebäude, Sangerhausen

Ästhetische Leichtigkeit und Transparenz charakterisieren das 1963 erbaute außergewöhnliche und in seiner Art wohl einmalige Bahnhofs-Empfangsgebäude in Sangerhausen, das beispielhaft und beispielgebend für die hohen architektonischen, innenarchitektonischen und gestalterischen Qualitäten einer Ostmoderne gelten darf. Es war für die zur Zeit der DDR vom Kupferschieferbergbau geprägte und prosperierende Stadt im Mansfelder Land erbaut worden.
Lange war das Haus an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt des Landes vernachlässigt worden. In 16 Monaten Bauzeit ist es nun denkmalgerecht saniert, modernisiert sowie umgebaut. Neben den erwarteten „bahnaffinen“ Nutzungen haben aber auch städtische Einrichtungen ihren Platz gefunden. Ein „Rettungscoup“, der überhaupt erst durch den Kauf des Gebäudes durch die Stadt Sangerhausen möglich wurde, im Weiteren durch eine Öffentlich-Öffentliche Partnerschaft ÖÖP, die sie mit der Städtischen Wohnungsbau GmbH Sangerhausen (als neue Eigentümerin und Bauherrin) einging, aber auch durch umfangreich gewährte Fördermittel von Bund und Land.

Heute findet der Reisende „alte Bekannte“ in bester Verfassung: Da ist die helle, großzügige Halle mit ihrer fassadenbreiten Panoramaverglasung, die schon vom Rande der Altstadt aus zu sehen ist. Da ist die detailreiche Innengestaltung, etwa die eigens erdachten, von der Decke abgehängten, konisch-langgestreckten Beleuchtungskörper oder die in sattem Blau leuchtenden Kacheln, die an Wandflächen und Säulen sowie an der Außenfront des niedrigeren Gebäudeflügels Akzente setzen. Und da ist das wandfüllende Mosaikbild des Sangerhäuser Künstlers Wilhelm Schmied mit Lokalkolorit und Symbolcharakter.

In der großen Empfangshalle – von der aus seit dem vergangenen Jahr der barrierefreie Zugang zu den ebenfalls teils mit Landesmitteln sanierten Bahnsteigen wieder möglich wurde – sind ein Gastronomiebetrieb samt öffentlicher Toiletten, ein Buch- und Zeitschriftenladen, ein Backshop, das Tourismusbüro der Rosenstadt GmbH sowie der Bahnbetrieb Abellio Rail Mitteldeutschland mit einem Servicebüro im Einzug begriffen. Eine dynamische Fahrgastinformation, Gepäckschließfächer sowie Bänke – letztere aus den Stufen der abgebauten Treppenanlage gefertigt – komplettieren das neue Interior.

Generalmieter ist die Stadt Sangerhausen, die im Bahnhofskomplex – und das ist die eigentliche Überraschung – ihre Stadtbibliothek und das Bürgerbüro unterbringen wird. Zudem zieht eine vereinsgeführte Betreuungsstätte ein. Mit neuen Park + Ride-Stellplätzen im umgestalteten Umfeld ist nicht zuletzt für Pendler und Touristen die Schnittstelle von Bahn, Bus, Taxi, Fahrrad- und Individualverkehr deutlich komfortabler. „Die Rettung eines Denkmals war sicher ein gutes Motiv für die Stadt“, fasst SALEG-Projektleiter Günter Graviat zusammen. „Das stärkere aber war, den besonderen Bahnhof als Empfangs- und Willkommenstor zur Stadt zu bewahren.“ Wiederbelebt als vielfältige Servicestation sind dafür die Weichen auf Zukunft gestellt.

Das Bahnhofs-Empfangsgebäude wurde am 9. September 2016 wiedereröffnet.

Projektbeteiligte (Auswahl)

Bauherr
SWG Städtische Wohnungsbau GmbH Sangerhausen, Sangerhausen
Generalunternehmer Bau + Kalkulation
Bilfinger Hochbau GmbH, ZN Wohnungsbau Jena, Jena
Architektur + Statik
S & P Sahlmann, Planungsgesellschaft für Bauwesen mbH, Leipzig
Heizung-Lüftung-Sanitär-Planung
HKL Ingenieurgesellschaft mbH, Erfurt, OT Stotternheim
Elektroplanung
Ingenieurbüro Fruth, Grässner & Partner GmbH, Erfurt
Planung Außenanlagen – Parkflächen
plandrei Landschaftsarchitektur GmbH, Erfurt
Tragwerksplanung
RUFFERT Ingenieurgesellschaft für Tragwerksplanung mbH, Erfurt
Projektsteuerung
Fördertechnische Projektbetreuung
Dipl.-Ing. Günter Graviat, Sachsen-Anhaltinische Landesentwicklungsgesellschaft mbH SALEG, Magdeburg