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Luthers Campus

Collegium Augusteum, Sanierung und Umbau, Lutherstadt Wittenberg

Sie wird als die „Große Rochade“ in die Stadtbaugeschichte Wittenbergs eingehen, jene Neuordnung, die wie beim Schach die Bewegung von zwei Figuren zugleich erlaubt. Das Collegium Augusteum, einer der frühesten Universitätsneubauten im deutschsprachigen Raum, ist dabei mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 in Übereinkunft von Land, Stadt und Kirche in die Obhut der Stiftung Luthergedenkstätten Sachsen-Anhalt übergegangen – „grandios zum Ausstellungszentrum umgebaut “, wie die Berliner Zeitung zur Eröffnung der Landesausstellung „Cranach der Jüngere 2015“ im Juni 2015 schrieb. Das in einem ersten Bauabschnitt grundhaft sanierte Denkmal bietet nunmehr samt seinem hofseitigen neuen Eingangsgebäude den lang ersehnten Platz für mehr Präsentation, kulturelle Bildung und Wissenschaft.

Im Gegenzug wird das zwei Jahrhunderte im Augusteum beheimatete Evangelische Predigerseminar zu seiner Ausbildungskirche, der Wittenberger Schlosskirche, ziehen. Teile des Schlosses und ein neuer Südflügel werden dazu bis 2017 Gestalt annehmen.

Das Augusteum, dieser 17-achsige langgestreckte Bau von „schlichter Großartigkeit“ , entstand gemeinsam mit einem westlichen Seitenflügel ab 1581 als Erweiterungsbau des bis dahin allein im Lutherhaus untergebrachten Collegiums der landesherrlichen Universität. Das Terrain: eine Klosteranlage der Augustiner, das spätere Lutherhaus ihr einzig umgesetzter Gebäudeflügel. Eine mehr als 430 Jahre umfassende Bau- und Nutzungsgeschichte ist für das Augusteum nachgewiesen, u.a. ab 1598 als Universitätsbibliothek. Für die neue Aufgabe als Ausstellungshaus wurde die gefährdete historische Bausubstanz gesichert, hat man komplexen Anforderungen an das Tragwerk entsprochen. Bibliotheks- sowie Fürstensaal mit ihren verzierten Eichensäulen sind nun wieder in ihrer ursprünglichen Anmutung erlebbar und ebenso restauriert wie etwa die wertvollen Decken- und Balkenmalereien in der Hofdurchfahrt. So erzählt „das von Geschichte durchtränkte Haus“, so Projektleiterin Babett Riel, „heute auch wieder von seiner ganz eigenen Biografie“. Und das sehr ungestört, denn kaum sichtbar ist es technisch hoch konditioniert, nämlich erdgewärmt, klimatisiert und brandgeschützt.

Architektonische Zutat heutiger Zeit ist das vor der historischen Stadtmauer verlaufende neue transparente Eingangsgebäude im Gartenhof. Es bietet samt barrierefreiem Zugang alle für eine moderne Museumsnutzung notwendigen Einrichtungen an einem zentralen Ort und entlastet derart das wertvolle Denkmal. Mit seiner Anmutung als leichte, verglaste Pergola werden aber nicht allein – wie in einem Schaufenster – die alten Mauersteine trefflich in Szene gesetzt: Sensibel wie mühelos schafft der Bau den im Vorfeld umstrittenen Brückenschlag zwischen Augusteum und UNESCO-Welterbe geschütztem Lutherhaus und führt zu einem Museumscampus zusammen, was im Geiste Luthers schon immer zusammengehört.

Projektbeteiligte (Auswahl)

Bauherr
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Lutherstadt Wittenberg
Architekt / Tragwerksplanung / Elektrotechnik
BHBVT Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Tragwerksplanung
IGB Ingenieurgruppe Bauen, Berlin
Elektrotechnik
W 33 Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin
Denkmalschutz
Dr. Mario Titze Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Abt. Bau- und Kunstdenkmalpflege, Referatsleiter
Restauratoren
Joachim Körber, Lutherstadt Wittenberg Albrecht Körber, Restaurierungsatelier Körber & Körber, Dresden
Lüftung / Gebäudeautomation
W 33 Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin
Heizung / Sanitär
Golsch & Stäbler, Lutherstadt Wittenberg
Projektsteuerung und -management
Dipl.-Ing. Babett Riel Sachsen-Anhaltinische Landesentwicklungsgesellschaft mbH SALEG, Magdeburg
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