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(VER)WANDELHALLE

Stephanushalle am Rittergut, Gerbstedt

Wer plant zu bauen, muss die Zuversicht lieben. Das mag insbesondere auf die mansfeldische Einheitsgemeinde Stadt Gerbstedt zutreffen, wo im Juli 2017 auf dem Areal des brachgefallenen ehemaligen Ritterguts eine lang ersehnte Mehrzweckhalle eröffnete. Sport kann nun in dem Multifunktionsbau ebenso getrieben werden wie Feste gefeiert oder Konzerte aufgeführt. Sie ist – und so war es von Anbeginn geplant – eine „Halle für alle“, neben der in einem flankierenden Gebäudeflügel Arztpraxen und barrierefrei zugängliche Wohnungen eingerichtet werden konnten. Mit dem modernen Komplex ist für die unmittelbare Nachbarschaft, den Ort und das Umland ein wichtiger Entwicklungsimpuls gesetzt.

Die Geschichte des Ritterguts zu Gerbstedt lässt sich bis ins Jahr 780 als Besitz derer von Steuben zurückverfolgen, es war neben dem 985 durch Markgraf Rikdag II. von Meißen gegründeten Benediktinerinnen-Nonnenkloster Keimzelle der hiesigen Stadtentwicklung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gut der LPG übereignet, seit den 1990er Jahren prägten jedoch zunehmend Leerstand und Verfall das denkmalgeschützte Ensemble. Diesen „städtebaulichen Missstand“ zu beseitigen, war man sich bereits 1999 per Beschluss in einer Stadt einig, die in den vergangenen Jahren ihre historische Innenstadt sukzessive sanieren und mit dem Bau der vielfältig nutzbaren Halle eine wichtige Brücke in ihre gewachsene Einheitsgemeinde schlagen konnte.

Auf einer Anhöhe vis-á-vis der Herz-Jesu-Kirche bilden heute zwei hell verputzte und mit Satteldach nebst Solarpaneel gedeckte Gebäude die Form eines einfachen „L“ auf historischen Raumkanten von einst Stall und Scheune. Zwischen beiden führt eine Treppe hinan, an deren Ende sich eine gestaltete Gemeinschafts- und Hoffläche mit Parkmöglichkeiten öffnet. Das nördlich gelegene Haus birgt die neue Halle, der die Gerbstedter den Namen ihres Schutzheiligen St. Stephanus gaben. Eine elegant verglaste Gebäudeecke bildet hier den Eingang zu einem Foyer mit Garderobe, einer Treppe ins Untergeschoss und kleinem WC. Werthaltige Materialien wie Eichenholz für das Stabparkett sind im Halleninnern verwendet. Kräftiges Rot gestaltet die Stirnseiten neben den in hellem Grau gehaltenen „Prallwänden“. Während sich auf 16 mal 30 Metern der Platz für das Kleinspielfeld findet, lässt sich aus dem Sportraum je nach Anlass mit Bestuhlung, Technik, Licht und mobilen Bühnen ein multifunktional nutzbarer und angenehmer Veranstaltungssaal verwandeln, für dessen gute Akustik, so unterstreicht SALEG-Projektleiter Wolfgang Gilbert, vorgesorgt ist.

Zum Gesamtkonzept „Stephanushalle“ gehört maßgeblich das südlich gelegene, lang gestreckte Wohn- und Gewerbehaus, es fasst fünf unterschiedlich große Wohnungen, dazu die besagten Praxen und ein Büro. Letztere liegen indes nicht alle auf den zwei zum Hof sichtbaren Ebenen, sondern der Hanglage folgend auch auf einer darunterliegenden dritten in Höhe des Straßenraums. Die schafft – neben dem Platz für Lager, Lüftung, Technik, Umkleide- und Sanitärräume – eine unterirdische Verbindung zwischen beiden Häusern, sodass der Aufzug als barrierefreier Zugang gleichermaßen von Bewohnern, Patienten, Sportlern oder Veranstaltungsbesuchern genutzt werden kann.

Projektbeteiligte (Auswahl)

Bauherr
Sachsen-Anhaltinische Landesentwicklungsgesellschaft mbH als Treuhänder der Stadt Gerbstedt
Projektsteuerung und -management
Sachsen-Anhaltinische Landesentwicklungsgesellschaft mbH
Gebäudeplanung
RKW Architektur +, Niederlassung Leipzig
Tragwerksplanung
Bauplanungsbüro Heuer & Tonne GmbH, Halle (Saale)
Technische Gebäudeausrüstung/Wärmeschutznachweis
Ingenieurplanungsgesellschaft mbH Wohlrab, Landeck & Cie., Aschersleben
Freiflächenplanung
studio51, Halle (Saale)