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vom Mittelalter inspiriert

historische Stadtinformationen, Lutherstadt Wittenberg

Historie als Entwicklungsmotor zu begreifen, ist kein Privileg der Wittenberger. Jedoch mit dem archäologischen Sensationsfund der herrschaftlichen Grablege Rudolf II. auf dem Arsenalplatz und Areal der früheren Franziskanerklosterkirche nutzte man hier beherzt die sich unverhofft bietende Chance: sich neben dem Touristenmagneten Luther der vorreformatorischen Zeit als kurfürstliche Residenz zu erinnern und weitere Stadtentwicklung zu befördern. Aus dem ursprünglichen, im Rahmen der IBA Stadtumbau 2010 verfolgten Plan von einer AULA IM CAMPUS als Veranstaltungshaus, kristallisierte sich mit dem Fund die Idee von einem mehrgliedrigen „Besucherzentrum“ heraus, darin: eine „Historische Stadtinformation“. Seit Herbst 2015 lässt die den in den Schichten der Zeit verlorenen Sakralbau „analog virtuell“ wieder auferstehen und präsentiert exzellent aufbereitet Stadt- und Landesgeschichte. 

Ein lichtdurchfluteter verglaster Wandelgang im Hofcarrè des neuen „Besucherzentrums“ verbindet und erschließt seine vier Module: eine „Zentrale Stadtinformation“, das „Stadthaus“ mit Konferenz- und Festsaal, das „Ratsarchiv“ sowie eben jene „Historische Stadtinformation“. Für letztere wurde ein auf den Mauern der einstigen Klosterkirche leerstehendes Gebäude entkernt, die rohen Außenwände auf die ursprüngliche Firsthöhe von knapp zehn Metern aufgemauert und mit einem sehr steilen, freitragendem Walmdach gedeckt. Es behütet ein eher puristisches, hell verputztes Haus, in dessen Innern sich, so SALEG-Projektleiter Steffen Gurke, „etwas wohl Einmaliges verbirgt“.

Denn: Hat sich das Besucherauge ans Dämmerlicht gewöhnt, offenbart sich in staunenswerter Illusion der weite Raum eines Kirchenschiffs. Da ist die Abfolge von Spitzbögen aus vermeintlichem Sandstein, da sind Kirchenfenster mit reichlich bunten Bildnissen und da ist schließlich vorn das Halbrund einer Apsis ... Licht und Farben lassen regelmäßig Umrisse verschwimmen, während Neues an Kontur gewinnt. So wie vorn im Chor: drei Ritter mit Schwert und ihren Wappen, in der Mitte Rudolf II.

Dieses Fazinosum täuschend echter Dreidimensionalität ermöglicht ein ausgeklügeltes Beleuchtungsarrangement der mittelalterlich inspirierten Malereien, die man auf wandlangen, im Rund doppelt- bis dreifach abgehängten Stoffbahnen aus Schleiernessel und Gobelintüll aufgebracht hat. In der Summe verweben Überblendungen und Projektionen Stoff und Farbe zu einer ja, analog-virtuellen Realität und setzen – einem wissenschaftlichen und szenografischen Konzept folgend – den Rahmen für das eigentliche Ziel: eine Reise zu den geschichtlichen Wurzeln von Stadt und Land, vom Kurfürstentum Sachsen-Wittenberg zum Land Sachsen-Anhalt heute. Ergänzend sind in der „Kirche“ Textbänke aufgestellt, deren Inhalte auch im Dunkeln bestens lesbar bleiben. Daneben findet sich ein zweiter, einem Seitenschiff gleichender Raum mit weiteren hinterleuchteten Bild- und Texttafeln nebst Ausstellungsstücken wie Schwert und Siegel jenes Rudolf II., der mit seiner Familie hier an authentischem Ort wieder seine letzte Ruhestätte finden durfte.

Projektbeteiligte (Auswahl)

Projektbeteiligte (Auswahl)
Treuhänderischer Bauherr im Auftrag der Lutherstadt Wittenberg Sachsen-Anhaltinische Landesentwicklungsgesellschaft mbH SALEG, Magdeburg
Bauwerk
Architekten Leistungsphase 1 bis 4 Prof. Ralf Niebergall, Magdeburg Leistungsphase 5 bis 9 bc Architekten + Ingenieure GmbH, Lutherstadt Wittenberg
Tragwerksplanung/Wärmeschutznachweis
PICHLER Ingenieure GmbH, Berlin
Planung Technische Gebäudeausstattung HLS (Leistungsphase 1 bis 4)
ARGE Technische Gesamtplanung
HLS Leistungsphase 5 bis 9
Ingenieurbüro Golsch & Stäbler, Lutherstadt Wittenberg
ELT Leistungsphase 5 bis 9
Aschenberner Ingenieurbüro, Lutherstadt Wittenberg
Brandschutz
Ingenieurbüro A. Renner, Gräfenhainichen
Klimakonzept
Ingenieurbüro für Bauwerkserhaltung GmbH, Weimar
Ausstellung
Gesamtleitung Harald Meller, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Halle
Künstlerische Leitung
Karl Heinz Steck, Innsbruck
Idee
Juraj Lipták, München
Ausstellungsbau
hertzer GmbH Berlin
Bauherrenaufgaben/Projektleitung/Fördermittelmanagement
Dipl.-Ing. Steffen Gurke, Sachsen-Anhaltinische Landesentwicklungsgesellschaft mbH SALEG, Magdeburg
Eröffnung
Oktober 2015